6. Blick in die Glaskugel 🔮 oder: Wünsche der Autoren

1. Digitale Kompetenzen in Studium und Ausbildung integrieren
Wir wünschen uns mehr Demut von Seiten der Hochschulen und Ausbildungsstätten. Es ist unbestritten, dass es Orte freien Denkens, Orte freier Lehre und Forschung geben muss. Auch ist es relevant, gerade in einer immer komplexer werdenden Zeit die Möglichkeit, einen Standpunkt außerhalb der eigenen Erfahrungswelt einnehmen und methodengeleitet testen zu können. Es ist wichtig, Experimentierräume zu haben, reflektieren zu können und Erfahrungen außerhalb einer wirtschaftlichen Verwertungslogik machen zu können. Für die Hochschulen und Ausbildungsstätten jedoch ist es notwendig, zu erkennen, dass Digitalisierung nach eigenen Gesetzmäßigkeiten funktioniert und vor allem nicht “vermittelt” werden kann. Wir wünschen uns, dass ASAP “digitale Kompetenz” in die für soziale Arbeit befähigende Studien- und Ausbildungsgänge einfließt. Dies darf (und kann !) jedoch nicht abgeschieden in einem “Modul Digitalisierung” erfolgen, sondern muss vielmehr als Querschnittskompetenz gedacht werden, da alle Bereiche Sozialer Arbeit tangiert sind.


2. Soziale Organisationen zukunftsfähig gestalten
Diese ganzen Geschichten von agilen Organisationen, von New Work, von der Notwendigkeit, auf die (auch) durch die Digitalisierung hervorgerufene Komplexität zu reagieren, von der Abkehr von der Bürokratie hin zu “echter Arbeit” klingen alle irgendwie so, als sollte soziale Arbeit wieder menschlich werden. Aber ganz ehrlich: Zunächst geht es angesichts der gegebenen Bedingungen schlicht und ergreifend um die Aufrechterhaltung der Organisationen. M.a.W.: Wenn wir so weitermachen wie bislang, wird der organisationale Burnout an vielen Stellen nicht mehr zu verhindern sein. Mehr und mehr Organisationen werden schließen müssen (allein schon aufgrund von Fachkräftemangel). Daraus folgt, dass dieses ganze Gerede von neuer Arbeit und neuen Organisationen bzw. Organisationsformen nicht dazu dient, die Menschen glücklich zu machen. Es dient dem Überleben Ihrer Organisation! Und mehr Menschlichkeit ist wichtiger Kollateralnutzen dieser Entwicklung.


3. Räume des Austauschs und der Zusammenarbeit schaffen
Schon oben verweisen wir auf offenere Veranstaltungsformate wie BarCamps. Dies können erste physische Orte sein, in welchen Menschen aus Wissenschaft und Praxis, von Interessengruppen und aus Klient*innen bestehen aufeinander treffen können. Der Austausch kann jedoch auch online forciert werden. Die eine Lösung haben wir nicht: Twitter? Facebook? Oder ein Slack? Es wird nur funktionieren, wenn die Initiative auch von Ihnen kommt 😉 Wie sieht es in Ihrer Organisation/Hochschule eigentlich aus? Haben Sie Experimentierräume und Räume des Austauschs geschaffen? Lassen Sie uns gemeinsam überlegen – und dann “Einfach machen” – wo übergeordnete Strukturen geschaffen werden könnten. Ach ja, und Coworking kann auch in der Sozialen Arbeit funktionieren.


4. Digitalisierung geschieht nicht um der Digitalisierungs Willen
Mit der Digitalisierung wird aktuell eine komplett neue Infrastruktur für viele Bereiche der Welt erstellt. Der Vergleich mit der Erfindung der Eisenbahn hinkt ein wenig, verdeutlicht aber: Digitalisierung kann kein Selbstzweck sein, so wie die Eisenbahn nicht wegen der Eisenbahn so große Erfolge gefeiert hat, sondern wegen der Vernetzung der Welt. Damit müssen Sozialarbeiter*innen auch keine Informatiker werden. Sie müssen vielmehr lernen, die vorhandene Infrastruktur sinnvoll zu nutzen, um dadurch positive gesellschaftliche Entwicklungen zu ermöglichen. Konkret geht es also darum, zu verstehen, was passiert und zu nutzen, was nutzbringend erscheint, um dadurch den Kern sozialer Arbeit – die Lösung sozialer Probleme – zu unterstützen. Dabei können Fehler passieren, ganz bestimmt. Aber der größte Fehler wäre, so zu tun, als könnte der Zug der Digitalisierung an uns vorbeifahren.


5. Fehlerfreundlichkeit zulassen
Ja, bei der Implementierung von digitalen Tools kann an so mancher Stelle etwas gewaltig schief laufen. Oft bemerken Sie dies erst im Nachhinein. Damit jedoch der Weg durch die oder mit der Digitalisierung gelingt, würden wir uns über eine neue Fehlerfreundlichkeit freuen, diese sogar empfehlen.


6. Eigene Gehversuche wagen
Die Frage, was denn jetzt jeder einzelne tun kann, um “ein Gespür fürs Digitale” zu bekommen, lässt sich nicht so leicht beantworten – zumindest einen Vorschlag/Wunsch hätten wir: Gehen Sie ins Netz! Melden Sie sich bspw. bei Twitter an und beobachten Sie einmal, wie Social Media Netzwerke funktionieren können. Suchen Sie sich Themenfelder heraus, die Sie interessieren. Dazu gibt es meist Hashtags = # , die wie eine Verschlagwortung funktionieren. Und dann probieren Sie aus, was für Sie taugt: Beginnen Sie damit, Blogs und Podcasts zu abonnieren, testen Sie, wie es sich anfühlt, eigene Inhalte im Netz zu teilen und lernen Sie tagtäglich weiter, ungebunden, offen, frei. Damit wird es möglich, die angesprochenen “digitalen Basiskompetenzen” Kollaboration, Kreativität, Kommunikation und kritisches Denken für sich selbst zu erwerben.


7. Männerüberschuss beenden
Schaut man durch die Kongressprogramme, in mediale Berichterstattungen oder Betreiber von Blogs/Podcasts an: gefühlter Männerüberschuss! Wie in jedem anderen Bereich gilt auch hier: die Welt besteht nicht nur aus Männern. Folgerichtig müssen auch andere Menschen bzw. Vielfalt zu Wort kommen. Wir wünschen uns Publikationen jeder Art, Wortmeldungen und vor allem auch mediale Präsenz von Nicht-Männern. Gerade für einen Beruf, der immer noch vornehmlich von Frauen wahrgenommen wird, ist das eigentlich Pflicht statt Kür?! Wenn Sie also eine Veranstaltung planen: wie wäre es mit einem Blick auf Speakerinnen.org?


8. Über Zukunftsforschung und Wahrsagerei und die Begleitung ins Ungewisse
Wir beide können für uns nicht beanspruchen, die technologischen Entwicklungen (KI/BigData/Robotik/Blockchain etc.) auch nur im Ansatz durchdrungen zu haben. Die hiermit verbundenen Wandlungen können immens sein (z.B. predictive analytics/Überwachung/ wir empfehlen die anregende Lektüre des Romans Qualityland von Marc-Uwe Kling) und werden derzeit in anderen Ländern getestet und implementiert, ja sogar im Wissenschaftsdiskurs für Soziale Arbeit hierzulande diskutiert (siehe bspw. “Risikodiagnostik in der Sozialen Arbeit an der Schwelle zum »digitalen Zeitalter« von Big Data Analytics” Schrödter/Bastian/Taylor 2018). Das sind goldene Zeiten für Menschen, die Ihnen genau sagen, sie wüssten, wohin die Reise geht und welche Lösungen jetzt die einzig Richtigen sind: Stellen Sie dies unbedingt und radikal in Frage! Die beste Zukunft, die Sie sich wünschen können, machen Sie am besten selbst!


9. Über Katalysatoren, Aggregatoren und Offenheit
Geben Sie gleichzeitig jenen eine Chance, die Entwicklungen voranbringen und dabei das Ziel der Sozialen Arbeit nicht aus den Augen verlieren. Förderung kann hier in ideeller, materieller, finanzieller oder struktureller Form erfolgen. Wie oft schon angeklungen: Die ungewisse Reise durch die Digitalisierung ist nichts, was von Einzelnen oder einigen Wenigen bearbeitet werden kann. Deshalb benötigt es aber umso mehr Aggregatoren, welche Informationen, (wissenschaftliches) Wissen und Expertisen aus unterschiedlichen Bereichen verdichtet zur Verfügung stellen. Und zwar im besten Falle Open Access oder als Online-Publikation mit (wir träumen jetzt mal) einer möglichst freien Creative Commons Lizenzierung. Der Sozialsektor ist ein eigener Wirtschaftszweig mit zum Teil knallharten Interessen, ein hoch kompetitives Feld (wie die Wissenschaft im Übrigen auch): freunden Sie sich damit an, dass Sie von Konkurrenz lernen dürfen – und diese von Ihnen.

In einem gemeinsamen Positionspapier beleuchten die Wohlfahrtsverbände und send e.V. die Potentiale der neuen Allianz und fordern von der Politik bessere Rahmenbedingungen für soziale Innovationen ein.
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2. Digitaliwas? Definitionsangebote

Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor? Gefühlt jede*r spricht derzeit von der “Digitalisierung” - entweder wie wichtig, disruptiv oder bedrohlich diese sei. In “die Digitalisierung” wird viel Hoffnung gelegt oder Schreckensszenarien aufgezogen und manchmal passiert sogar beides gleichzeitig. Keine Meinung zu dem Thema zu haben ist schon fast verdächtig, eine nüchterne Betrachtungsweise die Seltenheit.

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3. Auseinandersetzung mit Digitalisierung - Warum?

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Sprachfähigkeit

Um bzgl. der “Digitalisierung” eine gewisse Sprachfähigkeit entwickeln zu können, bedarf es einer dezidierten Auseinandersetzung mit ebendieser - sowohl theoretisch als auch ganz praktisch. Denn nur auf dieser Grundlage lassen sich zum Beispiel Entscheidungen überhaupt erst (gemeinsam) treffen, nachvollziehen und vor allem davon betroffenen Menschen transparent vermitteln. Darüber hinaus sind wir aufgrund unseres professionellen Selbstverständnisses insofern angehalten sprachfähig zu sein, da nur so die eigene fachliche Positionierung begründet werden kann - hier sind sowohl befürwortende als auch ablehnende Positionen betroffen.

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a) Warum?

b) Wozu?

 

 

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4. Kommunikations-  & Informationsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit

Ausgemachtes Ziel dieser Handreichung ist es insbesondere die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung in den Blick zu nehmen. Im vorherigen Punkt “Worüber reden wir bei ‘Digitalisierung’” beschrieben wir die Mehrdeutigkeit des Begriffs. Die Komplexität wird erneut deutlich, wenn wir folgende Grafik “Kommunikations- & Informationsmöglichkeiten für die Soziale Arbeit” genauer betrachten.

 

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6. Blick in die Glaskugel oder: Wünsche der Autoren

1. Digitale Kompetenzen in Studium und Ausbildung integrieren

2. Soziale Organisationen zukunftsfähig gestalten

3. Räume des Austauschs und der Zusammenarbeit schaffen

4. Digitalisierung geschieht nicht um der Digitalisierungs Willen

5. Fehlerfreundlichkeit zulassen

6. Eigene Gehversuche wagen

7. Männerüberschuss beenden

8. Über Zukunftsforschung und Wahrsagerei und die Begleitung ins Ungewisse

9. Über Katalysatoren, Aggregatoren und Offenheit

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