Fachspezifische (Online-)Kommunikation – Soziale Arbeit

Sozialarbeitende können auch nicht nicht kommunizieren… Sie müssen!

… frei nach Paul Watzlawick.

Bezugnehmend auf das Interview mit einem Gründer einer der größten Facebook-Gruppen für Sozialarbeiter*innen (Online-Netzwerk für Soziale Arbeit?! Oder: Sozialarbeiter vernetzt Euch!), möchte ich einige Gedanken zur fachspezifischen Online-Kommunikation mit Euch und Ihnen teilen (zuerst auf LinkedIn erschienen).

Bedarf? Vorhanden

Alleine bei Facebook sind mir acht größere Gruppen mit Bezug zur Sozialen Arbeit bekannt, die Suche zeigt weit mehr Communities an (so haben etwa viele Semester ihre je eigenen Gruppen). Meiner subjektiven Beobachtung nach werden dort u.a. folgende Komplexe verhandelt:

Fragestellungen mit supervisorischem Charakter (Fallfragen) • Fragen mit Bezug auf das Studium (Studienleistungen/Lösungshilfen) • Karriere- und Stellenanfragen/-gebote • Ressourcen- und Quellen-Fragen • Verständnisfragen jeglicher Art • Netzwerk- und Kontaktfragen u.v.m.

Professionelle Berufsnetzwerke (wie XING oder LinkedIn) spielen – soweit ich dies beurteilen kann – eine absolut nachgeordnete Rolle. Ein durchaus bemerkenswerter Aspekt.

Nutzen? Gegeben

Neben der (oft) schnellen Hilfestellung und Beantwortung von Fragen, ermöglicht der Austausch in einer fachspezifischen Gruppe neue An- und Einsichten. Die Diskussionen können für einige (oder alle) Beteiligten als gewinnbringend verbucht werden. Der Blick über den eigenen Arbeits-Tellerrand kann ermöglicht werden, wie auch eine Vernetzung unter den Mitgliedern (regional/überregional) stattfinden kann.

Problembereiche? Offensichtlich

1.Wollen wir nicht zu sehr auf den Datenschutzaspekt schauen (zumindest was die Mitglieder als solches betrifft), so sind es zuweilen doch Fallschilderungen, welche potenziell genug Informationen zur Rekonstruktion von Klient*innen(kreisen) ermöglichen. Die Zugänglichkeit für jede*n ohne fachlichen Bezug, lässt dies nicht besser erscheinen.

2. Daneben kristallisieren sich Kommunikationsunkulturen heraus, welche manch eine*n von der Beteiligung an Diskussionen, sowie Beantwortung von Fragen abhalten könnte. Diese Gruppen werden zum Beispiel (gefühlt) häufig für Fragen zur Bearbeitung von Hausarbeiten herangezogen werden – was im Übrigen völlig okay ist. Jedoch lässt schon die Fragestellung manchmal eine eigenständige rudimentäre Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, sowie Mühe bei der Formulierung eben dieser vermissen. Gleiches gilt etwa für Tarif-Fragen oder zu anwendbaren gesetzlichen Normierungen. Daneben sind Fachgruppen auch vor Trollen und Beleidigungen jeder Art nicht gefeit.

3. Die hierbei notwendige Moderation und Administration wird (nach meinen Einblicken) von Ehrenamtlichen übernommen. Bei Mitgliederzahlen von zum Teil über 16 000 eine nicht hoch genug anzuerkennende Leistung. Danke an die Engagierten!

4. Ein nicht ganz so offensichtliches Problem zeigt sich in der Ergebnissicherung und der Ressourcenbereitstellung. So wird entweder a) die Suchfunktion gar nicht bemüht, b) der Ursprungspost gleich ganz gelöscht. Viele Fragen (und somit auch die hierauf bezogenen Antworten) sind zwar individueller Natur, doch enthalten diese oft wichtige Quellen oder Hinweise, welche in der Beitragsstruktur von Facebook im digitalen Nirwana zu versinken drohen.

5. Ein wesentlicher Problembereich stellt für mich der Rückzug von Fachkolleg*innen dar, welche aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bereit sind Fragen zu beantworten, gleichwohl sie das ausgewiesene Expert*innen-Wissen hätten. Zu den Gründen können nur Mutmaßungen anstellen. Hinweise dürften in mancher Unart der Kommunikation, sowie mangelnder Respond bei gleichzeitig hohem Zeitaufwand zu suchen sein.

6. Und täglich grüßt das Murmeltier – oder: Redundanz deluxe. Verständlich ist, dass nicht jede*r die Beiträge der Vergangenheit im Blick hat. Dennoch ist auffallend, dass bestimmte Fragenkomplexe in leichter Variation im regelmäßigen Abstand immer wieder veröffentlicht werden. Gerne beispielsweis Gesuche nach “guten Stellenbörsen” oder Fragen zu “Traifvertrag XY – AVR”

Ohne auch nur eine annähernd vollständige Aufzählung präsentieren zu können, möchte ich diese Beobachtungen gerne hier zur Diskussion stellen.

Was sind Ihre und Eure Gedanken, Ideen oder vielleicht auch konkrete Vorschläge zur Fachspezifischen Online-Kommunikation in der Sozialen Arbeit?

Vertonte Version:

Ein Audiobeitrag dazu: about:social – 004 – Facebook-Gruppen in der Sozialen Arbeit (IWMM – Irgendwas mit Menschen)

Veröffentlicht von Benedikt Geyer

"Soziale Arbeit und Medien" ist mein Herzensthema. Ideen dazu verblogge ich und spreche darüber mit Expert*innen im Podcast IWMM - Irgendwas mit Menschen.

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