SozialCamp 2019 – WYSIWYG (Teil 1)

Das war also das SozialCamp 2019 – einem BarCamp (Was ist das?) für die Soziale Arbeit. Drüben bei Twitter kann man mit dem entsprechenden Hashtag #SozialCamp eine Idee durch „das Rauschen des Streams“ von der Veranstaltung erhalten. Sabine hat sogar eine Liste mit Teilnehmer*innen (welche einen Account bei Twitter besitzen angelegt (nicht vollständig!)).

Schon bei dem Verweis zu Twitter zeigen sich Hürden für Menschen außerhalb:

  • Wie funktioniert diese Plattform? Welchen Logiken / „heimlichen Gesetzmäßigkeiten“ folgt die Kommunikation hierüber? Ohne Account (Zugänge/Exklusionen) sinnvolle Nutzung überhaupt möglich?
  • Wie wird via Twitter „dokumentiert“? (Bekomme ich wirklich ein umfassendes Bild?)
  • Ist das wirklich ein solches MEGA-Event und einfach für alle zu jeder Zeit toll? (FOMO)

Somit ist es angebracht, die „Dokumentation“ der Veranstaltung auch an öffentlicheren/freieren Stellen zu publizieren. Es ist gute Tradition, dass die Nachbesprechungen im Blog verlinkt werden.

Doch zunächst zu der in der Überschrift enthaltenen Abkürzung „WYSIWYG“

WYSIWYG [ˈwɪziwɪg] ist das Akronym für den Grundgedanken „What You See Is What You Get“ (englisch für „Was du siehst, ist [das], was du bekommst.“) – auch als Echtzeitdarstellung bekannt (beziehungsweise, bezogen auf die Bildschirmdarstellung, Echtbilddarstellung).

Quelle: Wikipedia CC-by-sa-3.0

… und diesem Akronym folgend (Eingabe entspricht Ausgabe) möchte ich zunächst mehrere Beobachtungen, welche ich während der Teilnahme machen konnte hier teilen.

In diesem ersten Teil (Die Beobachtungen) geht es eher um „allgemeine“ Beobachtungen, Gedanken und Irritationen rum um das SozialCamp. In Teil II (Die Dokumentation) werde ich vor allem über die von mir besuchten und angebotenen „Sessions“ (Einheiten von 45 Minuten mit unterschiedlichem Inhalt) schreiben. Sobald Teil II online ist, wird dieser hier verlinkt / im Blog erscheinen.

Bevor ich jedoch meine subjektiven „Beobachtungen“ hier teile, ein Dank an alle die sich eingebracht haben: mit Session-Angeboten, bei Sessions durch Beiträge, durch aktive Teilnahme oder auch durch Abgrenzung. Für die, die den Raum ermöglicht haben.

Die Beobachtungen:

1. BarCamp Soziale Arbeit vs. CariCamp?

Wie schon in meinem Rückblick-Video 2018 angesprochen, wurde mir diesmal noch deutlicher bewusst, dass es eine von der Caritas ausgerichtete Veranstaltung ist. Wurden andere Arbeitgeber*innen als solche innerhalb des riesigen Caritas-Kosmos bei der Vorstellungsrunde am ersten Tag genannt, war dies gefühlt die Ausnahme (ein anderes Bild zeichnete sich bei der Abfrage der Arbeitgeber*innen bei einer Abschlussrunde am letzten Tag, mit jedoch deutlich weniger Teilnehmer*innen → hier die Aufzeichnung – nach der Wortmeldung von Sebastian).

Mir geht es auch gar nicht so sehr um die offiziellen Zahlen¹, auch nicht um die Abwertung innerorganisationaler/-verbandlicher BarCamps als tolles und wichtiges Format. Die Frage(n) die sich mir jedoch aufdrängen:

Sind Menschen aus anderen Kontexten, mit anderen (Lebens-, Wert-, Moral-)Vorstellungen, mit unbequemen und vielleicht irritierenden, konfrontierenden, infrage stellenden Ansichten und vor allem mit ihrem jeweiligen So-Sein willkommen oder lediglich geduldet?²

Gedanken-Nachtrag: Manche sprachen/sprechen ja (ich auch) von einer Art „Klassentreffen“ . Die obige Beobachtung/das Gefühl eines CariCamps, mag vielleicht eher daher rühren (eher verschlossener „harter Kern“), als durch die tatsächlichen Arbeitsstelle.

¹ Nachtrag: Dazu kam die Info von Johannes via Tweet, ⅓ der Teilnehmenden sei ohne Caritas Bezug. Update 17.12.2019: „41% Externe und 59% Caritas-Mitarbeitende“ . Umso spannender, wie es zu meinem Eindruck kommen kann. Dazu denke ich (im Austausch) weiter nach. Um das jedoch deutlich zu machen: alle bei bonn.digital machen vor, während und nach dem SozialCamp eine tolle Arbeit und tragen zum Gelingen bei!

² Nachtrag: Ein Vorschlag von Vanessa: Bei der Vorstellungsrunde auf Nennung der Position & Organisation verzichten, stattdessen anderes in den Vordergrund stellen.

2. Bestrebungen der weiteren Formalisierung

… wenn man genau hinhört, gibt es mancherorts aus geldgebender Perspektive Bestrebungen diese Veranstaltung mehr zu formalisieren, standardisieren, professionalisieren. Auch das: kann man machen. Aber dann kann man auch einfach eine klassische Fachkonferenz mit „spielerischen“ oder „lockeren“ und aus der „start-up-Welt-kommenden“ Elementen garnieren.

Die dahinterstehende Überlegung: Effizienzsteigerungen (im Sinne des Wettbewerbsvorteils, schnelleren Entwicklungssprüngen, Erhöhung der Informationsdichte und -vermittlung).

Ich glaube, dass es gerade weniger davon braucht. Mehr Chaos, mehr Irritation, mehr Raum der nicht schon vollständig „eingerichtet“, sondern vielmehr erst im Zusammenspiel aller Akteur*innen gestaltet werden muss. Dies ist glaube ich das Kernelement des Formates wie bspw. BarCamp:

  • potentielle Selbstwirksamkeitserfahrungen,
  • erleben von „Augenhöhe“,
  • Grenzen überwindendes Zusammenarbeiten,
  • Mitmachen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht! (WYSIWYG)
  • Nachtrag (danke für den super Hinweis Vanessa): Still sein, für sich nach-denkend, abgrenzen, komplette Sessions „blaumachen“ und immer für-sich-sorgen ebenso erwünscht und erlaubt!

Nur bei dem Gedanken an klassische Keynotes, möchte ich schreiend wegrennen.

Eine Puppe aus der Muppet Show rennt mit weit aufgerissenem Mund schnell weg. Die Kamera wackelt. Das gif ist ein Loop einer sehr kurzen Sequenz, welche so wirkt, als wäre die Puppe "unendlich" am rennen.
Quelle: giphy.com

Der Tweet von Uwe bringt es für mich auf den Punkt: Dem Zufall eine Chance geben.

3. Ey, Männer*!

… hier was zum drauf rum kauen:

Ich habe nicht „die Lösung“ – Es wird sie in dieser Form auch nicht geben. Für mich gesprochen, versuche ich jedoch (wenn auch zT erst im Nachgang) mein eigenes Handeln kritisch zu reflektieren. Ein Versuch: sich zurücknehmen! Andere auf Mansplaining („Du weißt echt nicht was KI ist? 🙄“) hinzuweisen. Rückmeldungen zu eigenem Agieren zunächst anhören, ohne in Verteidigung gehen zu müssen. Austausch mit anderen. Benennen der (subjektiven) Beobachtungen.

4. Offenheit? Diversität als Gewinn erleben

Eine Beobachtung in manchen Sessions, im Flurfunk und bei Gesprächen: ein Sprechen über Klient*innen Sozialer Arbeit, über Lebensrealitäten, über ungute Mediennutzung etc. Als wären diese von „uns Professionellen*“ getrennt zu betrachtende Gruppen.

„Was ist nochmal gleich unser Auftrag? Wer hat uns diesen erteilt? Mit welchen Mitteln arbeiten wir? Wie sprechen wir viel zu oft “über” – zu selten “mit”. Was ist diese Digitalisierung / Transformation? “Über” und nicht “miteinander” sprechen: das beschäftigt mich. Auch anwaltschaftliches Sprechen – Für-Sprechen… es kann auch vermessen, zu machtvoll und ja auch übergriffig sein. Was maßen wir uns manchmal an? Omnipotenz-Gedanken. Wertvolle und gelungene Lebenswelten, gelebte Werte… von uns definiert.“

Dieses Gefühl von „getrennt sein“, und das sprechen aus einer „machtvollen Position“ heraus passiert schnell. Meine Idee: Diversität kann nicht im theoretischen darüber-reden erfahren werden, als etwas oft positives und bereicherndes – sondern nur im Erleben. Somit würde ich mir eine größere Vielfalt bei den Teilnehmenden wünschen. Charlotte hat hierzu eine tolle Idee:

WYSIWYG

Gleich ob ich von dem Gefühl eines „CariCamps“, dem männlichen* Raumeinnnehmen oder über Diversität schrieb: What You See Is What You Get. Ob analog oder digital 😉

Es ist super, dass es das BarCamp #SozialCamp gibt. Alle (!) Beteiligten* machen so eine tolle Sache überhaupt erst möglich. Danke!


Demnächst also die Doku (Teil 2) der von mir besuchten/gegebenen Sessions. Hier schon die Vorschau:

  1. Ben zu dem Kinderbuch Lotta und Klicks
  2. Eva zu Online-Beratung und Open Source
  3. Georg und Sabine zu „Agile Geschäftsführung“
  4. (M)einer Kreativ-Session zu „Geschichte(n) schreiben“
  5. … die Einladung zum Tanz (Revisited) mit Sabine und Hannes

… es wird etwas dauern. Denn eine Beobachtung: sich den Beschleunigungsprozessen manchmal bewusst zu entziehen, hat auch mit Selbstsorge zu tun 😉

Veröffentlicht von Benedikt Geyer

"Soziale Arbeit und Medien" ist mein Herzensthema. Ideen dazu verblogge ich und spreche darüber mit Expert*innen im Podcast IWMM - Irgendwas mit Menschen.

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