Fünf Schritte zur Digitalisierung sozialer Organisationen

„Soziale Organisationen müssen sich digitalisieren, um nicht „von der Plattformökonomie disrupiert zu werden!“ Diese oder ähnliche Sätze hört man häufig: Digitalisierung bedeutet Disruption, radikale Veränderung, alles neu und anders! Hilfe und Panik! Gleichzeitig hilft die Erkenntnis, dass sich vieles ändern muss, wenig, solange nicht deutlich wird, wie „Digitalisieren“ denn konkret funktioniert. Welche Schritte zur Digitalisierung sind zu gehen, um sich erfolgreich dem Thema zu nähern? Im Folgenden finden Sie fünf dieser ersten Schritte, wie soziale Organisationen die Digitalisierung zu einem echten Mehrwert werden lassen. Sie werden sehen:

Es sind sehr grobe Ansatzpunkte, die jeweils für Sie und Ihre Organisation ausgestaltet werden müssen. Das liegt in der Natur der hochgradig heterogenen Landschaft sozialer Organisationen:

1. Status Quo erfassen

Zunächst ist es relevant, im Sinne eines „Digitalisierungschecks“ den je individuellen digitalen Reifegrad zu beurteilen. Dabei muss die Organisation ganzheitlich in den Blick genommen werden:  Von der IT-Infrastruktur über die Organisationsstruktur, die Geschäfts-, Unterstützungs-, Vernetzungs- wie auch die Führungsprozesse und die Digitalstrategie bis hin zur Innovationsfähigkeit sind alle Bereiche der Organisation in den Blick zu nehmen.

Hochgradig relevant ist, zu klären, wie organisationsintern zusammengearbeitet wird und wie dies zukünftig geschehen soll: Wie selbstorganisiert arbeiten Menschen und Teams in der Organisation? Welche Möglichkeiten haben sie, ihr wirkliches Potential zu entfalten? Auch wenn diese Fragen „weich“ klingen, sind sie für die erfolgreiche Nutzung digitaler Möglichkeiten unabdingbar:

Nur wenn es in der Organisation möglich ist, schnell, lebendig und selbstorganisiert (Achtung, Buzzword: agil) auf Veränderungen zu reagieren, ist es möglich, echten Mehrwert für die Organisation und vor allem für die beteiligten Menschen zu generieren und gleichzeitig erfolgreich Neues zu implementieren.

Als „Kollateralnutzen“ selbstorganisierter Arbeit steigt übrigens die Arbeitgeberattraktivität:

WENN DER ZWECK DER ORGANISATION UND DAMIT DIE ARBEIT FÜR UND MIT MENSCHEN WIEDER IN DEN VORDERGRUND RÜCKEN, ARBEITEN DIE MENSCHEN GERNE IN DER JEWEILIGEN ORGANISATION.

2. Maßnahmen ableiten

Basierend auf den Ergebnissen des Digitalisierungschecks sind Maßnahmen abzuleiten, wie digitale Möglichkeiten in den einzelnen Bereichen nutzbringend einzusetzen sind. Fragen dazu sind bspw.:

  • Was kann bspw. im Recruiting digital anders gemacht werden?
  • Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die Digitalisierung in der Zusammenarbeit der Mitarbeiter*innen?
  • Welche neuen Marketingkanäle eröffnen sich, wenn die Nutzer*innen sozialer Dienstleistungen zunehmend mehr Wahlmöglichkeiten haben?
  • Welche konkreten Maßnahmen lassen sich daraus ableiten?

3. Experimente machen

Die Liste der abgeleiteten, digitalen Maßnahmen ist aufgrund der Ganzheitlichkeit des Themas oftmals lang. Entsprechend ist es wichtig, sich eine konkrete Maßnahme herauszugreifen und experimentierend mit der Umsetzung zu beginnen.

Es geht dabei nicht darum, neue Großprojekte aufzusetzen. Es geht darum, in kurzen Schleifen (Iterationen) vorzugehen und den Fortschritt der Umsetzung der jeweiligen Maßnahme zu begleiten.

Dadurch ist es möglich, schnell gegenzusteuern, das Experiment zur Not zu beenden oder – bei Erfolg – die nächste Maßnahme anzugehen.

4. Oben ohne geht es nicht

Wesentlich für organisationale Veränderung und eine Ausrichtung der Gesamtorganisation auf digitale Anforderungen ist die Unterstützung dieses Prozesses durch die oberste Führungsebene.

Voraussetzend ist somit zum einen ein Verständnis für die sich durch die Digitalisierung ergebenden Veränderungen sowie ein Grundvertrauen in das unter Punkt 3 skizzierte, iterative Vorgehen.

Digitalisierung ist ganzheitlich zu denken und lässt sich aufgrund der strategischen Bedeutung nicht wegdelegieren, auch wenn Maßnahmen von den jeweiligen Menschen und Teams eigenverantwortlich umgesetzt werden.

5. Fünf Schritte vergessen

Fünf Schritte klingen wie ein einfach umzusetzendes Rezept.

Tiefgreifende Veränderungen sozialer Systeme (und damit auch sozialer Organisationen) lassen sich jedoch nicht rezepthaft umsetzen, auch wenn dies die gängige Change-Management Literatur vermitteln will. Das unter Punkt 3 beschriebene experimentelle Vorgehen ist zweckdienlicher:

Nur durch Experimente, nur durch die permanente Entwicklung im Sinne des „PDCA-Zyklus“ (Plan, Do, Check, Act) wird organisationales Lernen – auch und gerade in Bezug auf das Thema Digitalisierung – möglich. Und:

„EXPERIMENTE KÖNNEN NICHT SCHEITERN!“

Fazit, oder: Digitalisierung ist kein Selbstzweck

Digitalisierung sozialer Organisationen ist kein Selbstzweck. Sie gelingt nur, wenn echter Mehrwert generiert wird. Mehrwert wird dann generiert, wenn der Aufwand der getroffenen Maßnahmen unterhalb des generierten Nutzens liegt. Entsprechend muss der Nutzen immer im Vordergrund stehen. Dies gilt unabhängig davon, ob es sich bspw. um die Frage der Kommunikation in digitalen Medien oder die Gestaltung digitaler Geschäftsprozesse handelt.

Sehr kurz gefasst wird deutlich, dass Digitalisierung sozialer Organisationen nur gelingt, wenn sie zum troyanischen Pferd für ganzheitliche Organisationsentwicklung wird.


Zum Weiterlesen:

Veröffentlicht von Hendrik Epe

Impulsgeber und Querdenker zu Innovation, digitaler Transformation, Organisation und New Work in Organisationen der #Gesundheits- und #Sozialwirtschaft

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